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Tikaré e. V. - Ein Verein in der Entwicklungszusammenarbeit
TIKARÉ - das ist ein Ort in Westafrika, in Burkina Faso, einem Binnenstaat ohne Zugang zum Meer, in der Sahelzone, dem Südrandgebiet der Wüste Sahara.
TIKARÉ, etwa 120 km nördlich der Hauptstadt Ouagadougou, ist zugleich Mittelpunkt des Départements (Landkreises) TIKARÉ und historisches Zentrum des jahrhundertealten Königreichs ZITENGA, das die heutigen Départements TIKARÉ, GUIBARÉ und ROUKO umfasst. Neben der „modernen“ Verwaltung durch Präfekten und deren kleine Büros residiert am Ortsrand von TIKARÉ seit alter Zeit der ZITENGA NABA, der König von Zitenga in einem vom Verfall gezeichneten Lehmpalast.

In den drei Départements leben rund 70.000 Menschen, in großer Mehrheit Bauern vom Volk der Mossi, daneben eine Minderheit der Peulh traditionell als Viehzüchter, ursprünglich ins Land gekommen, um die Herden des Königs zu betreuen. Die Region, in der kein Fluss ganzjährig Wasser führt, erstreckt sich über gut 1000 km², 70 km von Nord nach Süd und 15 km von Ost nach West. Es gibt keine geteerte Strasse, keinen elektrischen Strom und kein Krankenhaus.
Partnerschaft Uelzen - TIKARÉ
Mitte der 80er Jahre reiste der damalige Uelzner Stadtdirektor Dr. Udo Hachmann auf Einladung der französischen Partnerorte Uelzens (Plateau Nord und Est von Rouen) mit einer französischen Delegation nach Tikaré. Die Franzosen hatten nach der weltweit bekannt gewordenen Dürrekatastrophe Anfang der 80er Jahre Kontakt zu der Sahelregion aufgenommen und zunächst Katastrophenhilfe geleistet, dann aber begonnen, Projekte zu einer dauerhaften Stabilisierung der Lebensgrundlagen in Tikaré zu fördern (Wasser, Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung).
Nach seiner Rückkehr begann Dr. Hachmann, für die Uelzner Beteiligung an diesen Projekten zu werben. Er verfolgte damit zwei Ziele: Einerseits durfte eine Stadt wie Uelzen mit über 35000 Einwohnern bei der damaligen Hilfsbereitschaft für die Sahelzone nicht abseits stehen, andererseits ergab sich durch die gemeinsame Aktion in Afrika auch ein neuer Impuls für die deutsch-französische Partnerschaft. Einzelne Aktivitäten (Diavorträge, Geldsammlung von Stadträten, Ausstellungen durch Schüler der Realschule) führten bald zur Gründung einer Arbeitsgruppe Tikaré innerhalb des Internationalen Partnerschaftkomitees von Stadt und Kreis Uelzen.
Aus der Arbeitsgruppe entstand 1992 der gemeinnützige Verein Tikaré e.V., denn es hatte sich herausgestellt, dass nur ein Verein bestimmte Zuschüsse von Land, Bund und anderen Organisationen für Projekte bekommen konnte. 
Inzwischen hatte die Stadt Uelzen 1990 eine offizielle Partnerschaft mit den afrikanischen Départements unterzeichnet, war also in eine Dreierpartnerschaft mit französischen und afrikanischen Gemeinden eingestiegen, allerdings, wie sich später herausstellte, nicht mit der Absicht, direkt mit den Afrikanern zu kooperieren. Die Stadt legte einen Betrag von jährlich maximal DM 5000,- fest, weiterhin mit der Bedingung, der Verein müsse einen gleichen Betrag einbringen.Während aus Frankreich mehrmals jährlich Delegationen nach Tikaré und Guibaré reisen, sind offizielle Besuche der „Partnerorte“ aus Uelzen sehr selten.
Im Verein Tikaré e.V. fanden sich einige afrikainteressierte Personen aus Uelzen und Umgebung zusammen, die sowohl die Idee einer Region zu helfen als auch den aufwendigen Kontakt mit den Menschen dort für wünschenswert hielten. So kommt es fast jährlich zu Begegnungen entweder hier oder dort, wobei die Reisen natürlich privat bezahlt werden. Die Kontakte laufen manchmal mit den französischen Delegationen, oft reisen Personen aus Uelzen aber auch direkt und ohne die Franzosen nach Tikaré, oder begrüßen Besucher aus Tikaré in Uelzen.
Projekte
In einer ersten Phase zu Beginn der Beziehungen wurde der jährliche Beitrag der Stadt Uelzen einschließlich der Spenden direkt an die französischen Partner übergeben, um damit die Anfangsprojekte (Wasserrückhaltebecken, Grundschulen, Gesundheitsstationen) zu finanzieren. Die französische Delegation plante die Projekte mit den Partnerschaftskomitees in Tikaré und Guibaré und ein französischer Entwicklungshelfer vor Ort kümmerte sich um die Durchführung in Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung. Mit zunehmendem Projektvolumen und wachsenden Mitteln der Franzosen bei sinkenden Mitteln aus Uelzen ging der Beitrag der Uelzener in der Gesamtsumme mehr und mehr unter. Von eigener Leistung war fast nichts zu sehen und auch potentiellen Spendern wenig zu vermitteln.
Daher begannen wir eine zweite Phase, in der aus der französischen Projektliste einige für uns finanzierbare Projekte ausgesucht wurden, um sie direkt zu übernehmen, wenn möglich dafür auch Zuschüsse zu beschaffen und als von uns finanzierte Projekte zu Ende zu bringen. Projekte dieser Art waren die Reparatur der Dächer der Schulgebäude in Manegtaba und der Bau eines Multifunktionshauses nahe der Bewässerungsfelder in Guibaré. Für dieses Projekt konnten wir DM 5000,- als Zuschuss der niedersächsischen Landesregierung weitergeben.
In der dritten Phase entwickelten wir angeregt durch Besuche in Tikaré zusammen mit den dortigen Verantwortlichen besonders aus den einheimischen Hilfsvereinen ADZT und Six S eigene Projekte, die ergänzend zu den französisch finanzierten liefen. Erstes Projekt dieser Art war die Anschaffung und Überführung eines ehemaligen BGS Lkws nach Tikaré 1991. Der Lkw wurde von der Bundesregierung kostenlos zur Verfügung gestellt, die GTZ übernahm die Transportkosten, die sechs Teilnehmer der Reise zahlten ihre eigenen Kosten inklusive Rückreise. Nötig wurde der Lkw, um das „Bohnenprojekt“ zu sichern.
Nach dem Bau eines Staudamms, der in der Regenzeit einen kilometerlangen Stausee entstehen lässt, begannen die Bauern unterhalb des Dammes Bewässerungsfeldbau und den Anbau grüner Bohnen für den französischen Markt im europäischen Winter. Diese Bohnen, die in Westafrika kaum bekannt sind, werden gepflückt, auf den Feldern direkt in die Versandkartons verpackt und sofort per Lkw nach Ouagadougou zum Flugzeug gebracht, so dass sie am nächsten Morgen in Paris auf dem Großmarkt sind. Ohne eigenen Lkw waren die Bauern aus Tikaré aber auf einen Transporteur aus der Nachbarschaft angewiesen, der oft unzuverlässig war und dadurch die Bohnenernte zu einem sehr unsicheren Geschäft machte. Der eigene Lkw verschaffte nun Transportsicherheit. Die Reparatur einer Motorpanne nach einigen Jahren wurde von uns bezahlt, denn die Einnahmen zur Finanzierung des Betriebs des Fahrzeugs reichten hierfür noch nicht aus. Auch hier zeigt sich, dass Projekte oft eine längere Betreuung brauchen, um dauerhaft wirksam zu sein.(Seit 2005 gibt es einen neuen LKW)
Weitere Eigenprojekte waren: Materialausstattung von Schulen, Unterstützung von Frauenprojekten: Seifeproduktion, Stoffe färben, Reparatur einer Hirsemühle und ein Baumpflanzungsprojekt durch Jugendliche aus Tikaré mit finanzieller Unterstützung der niedersächsischen Umweltlotterie bingo.
Bildungsarbeit
Neben der Zusammenarbeit mit den Afrikanern (Besuche/Projekte) stehen die dauernden Versuche, die Menschen hier bei uns zu informieren und zu motivieren, unsere Arbeit zu unterstützen. Hierzu setzten wir bisher auf die klassischen, aber nur begrenzt wirksamen Mittel von Diavorträgen, Filmen, Ausstellungen und Info- bzw. Verkaufsständen bei Stadt- festen, Sonder-veranstaltungen und Weihnachtsbazaren.(Bilder) Zum Verkauf kamen neben Handwerksprodukten aus Burkina Faso auch Produkte aus anderen Regionen Afrikas sowie Speisen und Getränke mit und ohne Bezug zu Afrika. Der finanzielle Erfolg dieser Aktionen war eher mäßig und Informationen zu den Hintergründen unserer Bemühungen konnten nur punktuell vermittelt werden. (wenige Einzelgespräche, oft mit Bekannten oder Afrikaerfahrenen)
Eine mit vielfältigen Themen besetzte Afrikawoche, in der an verschiedenen Orten in Uelzen Veranstaltungen liefen, erreichte zwar mehr Interessenten als unsere sonstigen Veranstaltungen, für die konkrete Arbeit im Verein ergaben sich aber weder personelle noch finanzielle Zuwächse.
Grundsätzlich haben die Aktivitäten für die Zusammenarbeit mit Afrika und anderen Gebieten während der vergangenen 10 Jahre in Uelzen zugenommen. So begann die evangelische Kirche eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Ondini in Kwazulu/Natal, Südafrika und eine Gruppe Frauen unterstützt Kindergärten in Gambia. Zu Uelzens neuem Partnerort Kobrin/Weißrussland entstanden Kontakte und es wurden Hilfstransporte organisiert, ebenso nach Polen, Ostpreussen und Bosnien. Weiterhin bildeten sich Runde Tische zu Eine-Welt-Problemen und zur Agenda 21. Hier sind sicher Ansatzpunkte einer Vernetzung aller Aktivitäten zu sehen. Eine gute Zusammenarbeit entwickelte sich mit “Afrika-Musik-Hohenweddrien”. Leider ist aber festzustellen, dass ein kleiner Verein wie der Tikaré-Verein mit 16 Mitgliedern, wovon eben die Hälfte aktiv mitarbeitet mit den Vereinsaufgaben bereits voll ausgelastet ist und keine Kapazitäten übrigbleiben.
Die kommunale Partnerschaft Uelzen-Tikaré besteht nun fast 20 Jahre, begann Jahre vor den Agenda 21 Beschlüssen, litt von Beginn an aber etwas an konkretem Engagement. Der anfängliche Einsatz finanzieller Mittel wurde unter allgemeinen Spargesichtspunkten auf ein Minimum reduziert und die tatsächliche Zusammenarbeit mit der Region Tikaré dem Verein überlassen, der aber mangels personeller und finanzieller „Masse“ nur sehr begrenzt wirken kann.
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